Bericht einer Entdeckerstipendiatin

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Uns hat wieder ein neuer Bericht aus dem Auslandsstipendium erreicht: Diesmal schreibt Chantal (17) über ihre Erlebnisse in der Dominikanischen Republik.

24.04.2018

Ankunft

Mein Auslandsjahr verbringe ich in der Dominikanischen Republik. Die Dominikanische Republik ist eine komplett andere Welt, als ich sie kenne. Und natürlich war ich von Anfang an begeistert von der Natur und dem Klima: Palmen und Sonne, ein Paradies, wie man es sich nur erträumen kann. Nun lebe ich hier schon fünf Monate und stelle fest, dass die dominikanische Republik ein gastfreundliches, offenes und lebensfrohes Land ist. Familienzusammenhalt wird hier großgeschrieben und Musik spielt eine wichtige Rolle.

 

Familie

Ich lebe in der Stadt Moca, die rund 95.000 Einwohner umfasst. In den fünf Monaten hier habe ich viele positive Erfahrungen gesammelt, wie zum Beispiel der erste Strandbesuch, viele neue Menschen kennengelernt, sowohl Dominikaner als auch die AFS Austauschschüler aus verschiedenen Ländern. Besonders Freude bereiten mir die Familienfeste, da ich hier eine sehr große Familie besitze. Auf denen haben wir alle zusammen viel Spaß und tanzen und essen. Durch meine Tanten habe ich die traditionellen Tänze gelernt, die aus Merengue, Bachata und Salsa bestehen. Mit meiner ersten Familie hatte ich Probleme, und so habe ich nach drei Monaten die Familie gewechselt. Jetzt bin ich in einer guten Familie und glücklich. Meine jetzige Familie besteht aus meiner Gastmama, meinem Gastvater, meinem kleinen Bruder (11), meiner gleichaltrigen Schwester und unserem Hund Mini. Meine alte Familie war reich, wir hatten ein großes Haus und drei Autos, jedoch hat die Liebe in dem Haus gefehlt. Meine jetzige Familie ist ärmer, wir haben eine Wohnung und gar keine Fahrzeuge, jedoch ist in diesem Haus viel Liebe, was für mein Empfinden deutlich besser ist. Was ich dazu gelernt habe ist, dass materielle Dinge nicht allzu wichtig sind.

 

Freizeit

Zum anderen genieße ich die Schulzeit sehr. Ich habe viele Freunde in der Schule gefunden und habe das Glück, sympathische Lehrer zu haben, die uns den Unterrichtstoff locker und mit Begeisterung lehren. Lehrer sind hier Freunde und keine Vorgesetzten, woran ich mich auch erstmal gewöhnen musste. Nebenbei besuche ich noch zwei Mal die Woche eine Englischschule, um mein Englisch zu verbessern, als kleines Hobby. Da habe ich auch die Familie sehr lieb gewonnen, die die Schule führen.

Ich besuche einen Basketballclub jeden Samstag und habe großen Gefallen dran gefunden. Auch so konnte ich viele neue Freunde finden. Ein Erfolgserlebnis war es, den Pico Duarte zu erklimmen, welcher der höchste Berg der Karibik ist, mit 3100 Metern. Diese Erinnerungen werde ich für immer in meinem Kopf behalten: nachts durch den Dschungel zu wandern und die Kulisse, die man sah. Es war der härteste Trip bis jetzt in meinen Leben, dennoch einer der schönsten.

 

Herausforderungen

Ich konnte vor meinem Auslandsjahr kein Wort Spanisch, was jetzt nach fünf Monaten komplett anders ist. Ich verstehe fast alles und das Sprechen läuft schon wie von alleine.
Ein Kulturschock war es für mich zu sehen, unter welchen armen Verhältnissen manche Menschen leben müssen. Zugleich gibt es aber Menschen, die alles haben und im Luxus leben. Diese Unterschiede sieht man auf den gleichen Straßen. Als spezielle Erfahrung würde ich den häuslichen Zustand bezeichnen. Ich habe am Tag nur fünf Stunden Wasser, der Wasserzugang ist also begrenzt. Was in Deutschland Standard ist, ist hier Luxus. Da lernt man erst die normalsten Dinge wertzuschätzen, die man ein paar Monate davor noch als normal empfunden hat.

 

 

Allen, die ein Auslandsjahr machen wollen oder kurz davor sind weg zu fliegen, würde ich mit auf den Weg geben, dass man für alles offen sein sollte, um dem Land das Herz zu öffnen und sein Bestes geben. Ich genieße jeden Tag hier, ob es nun ein guter oder schlechter ist, denn man lernt aus allem dazu und man merkt, wie die Erfahrungen den eigenen Horizont erweitern. Ich bin unendlich dankbar, dass ich so eine derartige Erfahrung machen darf, nicht viele haben so ein Glück. Ohne mein Stipendium wäre ich nicht hier und könnte das alles nicht erleben. Ich blicke der Zukunft gut entgegen und freue mich auf die restlichen Monate, verliebt bin ich ja schon in die Dominikanische Republik.

 

Schöne Grüße aus der paradiesischen Karibik

Chantal